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21 Wege, die Liebe zu finden

12. Wenn dies mein letzter Tag wäre


Oft kann nur ein einziger Gedanke Dein ganzes Leben ändern. Wenn man nur noch einen Tag zu leben hätte, was würde man anders machen als bisher? Man würde diesen verbleibenden Tag wahrscheinlich völlig anders verbringen, nämlich bewusster und intensiver, und man würde jeden Augenblick bis in den letzten Winkel auskosten. Man würde sich keine Gedanken mehr über die Vergangenheit machen, und erst recht keine über die Zukunft. Man würde wahrscheinlich jenen Moment so bewusst wie noch nie zuvor erleben. Vielleicht würde man die verbleibende Zeit friedlich und voller Respekt für das Leben mit seinem Partner verbringen. Vielleicht würde man gemeinsam weinen, sich lieben, oder sich einfach bestimmte Wahrheiten erzählen und alle belastenden Geheimnisse auflösen.

Mit Sicherheit würde etwas entstehen, was über das Alltägliche hinausgeht. Vielleicht würde es ein tieferes Verständnis für die Dinge hinter den Dingen geben. In so einem Augenblick würde vielleicht etwas eintreten, wonach wir uns immer schon gesehnt haben. Das Gefühl von tiefer Liebe und Verbundenheit. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, welches weit über den Tod hinausgeht.

Vielleicht würde man auch die Menschen anrufen, die einem viel bedeuten und mit ihnen ins Reine kommen wollen. Vielleicht würde man so einige Konflikte lösen und Frieden schließen, denn in Anbetracht des Todes hat jeglicher Streit einfach keine Bedeutung mehr. Wir würden unseren Liebsten wahrscheinlich für alles danken, was sie uns gegeben haben, für die wichtigen Impulse und Denkanstöße, die sie uns geschenkt haben.

Warum sind wir erst zu einer solchen versöhnlichen und bewussten Handlung fähig, wenn wir wüssten, dass dies der letzte Tag in unserem Leben wäre? Jeder Tag könnte doch der letzte sein. Nur selten wird uns genügend Zeit bleiben, uns auf den Abschied von einem geliebten Menschen vorzubereiten. Allzu oft wird sein Tod ein plötzlicher Schnitt in unserem Leben sein, der uns mitten ins Herz trifft, unvorhergesehen und überraschend.

Wir werden sterben. Unser Partner wird sterben. Das ist die eine Gewissheit, die es in unserem Leben geben kann. Da können wir noch so viele Rücklagen gebildet, Versicherungen abgeschlossen oder die Zukunft minutiös geplant haben, wir werden unseren Partner verlieren. Heute, morgen, vielleicht auch erst in weiter Zukunft. Aber wir werden uns von ihm trennen müssen.

Jeder Abschied am Morgen, flüchtig und schnell, im Streit, in Ungeduld, in Disharmonie oder voller Liebe, könnte der letzte Moment mit unserem Liebsten gewesen sein. Ein Autounfall, ein überraschender Herzinfarkt, ein lächerlicher Sturz könnte den plötzlichen Tod herbeiführen.

Warum brauchen wir erst den Gedanken an den Tod, um Wertigkeiten wieder zurechtzurücken? Warum tritt erst dann wieder das in den Vordergrund, was wirklich zwischen einem Paar wichtig ist? Nämlich die verbindende Liebe zweier Menschen, die sich gefunden und entschieden haben ein Stück des Lebens gemeinsam zu beschreiten. Wenn uns das Schicksal einen geliebten Menschen nimmt, ohne dass wir uns verabschieden konnten, ohne die Beziehung wieder in Ordnung gebracht zu haben, laufen wir mit einer schweren Bürde durch das Leben.

 

Wenn wir keinen Frieden geschlossen haben,

werden wir selbst auch keinen mehr finden.

 

Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir manches bereuen. Wo alles, was uns heute wichtig erscheint, keine Rolle mehr spielen wird. All die Kämpfe, all die Unzulänglichkeiten, all der Missmut und die Kleinkrämerei.

Es ist seltsam, aber oft hilft uns erst der Gedanke an den Tod, bei der Erkenntnis, in welchen Scheingefechten wir uns oft gerade mit den Menschen befinden, die wir lieben. Wenn wir also in Kontakt mit den tiefen Wahrheiten unserer Partnerschaft treten wollen, sollten wir einfach einmal für einen kurzen Augenblick innehalten und uns überlegen, was wir im Bewusstsein des baldigen Todes ändern würden.

Mit Sicherheit würden wir unserem Partner zeigen, wie wichtig er uns ist und immer schon war. Wir würden erkennen, wie unendlich dankbar wir ihm sind, weil er es an unserer Seite ausgehalten hat. Uns würde vielleicht klar werden, dass das Leben mit uns für den Partner nicht immer einfach war. Wie oft waren wir übel gelaunt, ungerecht und anklagend? Voller Ungeduld und fordernd? Trotzdem war unser geliebter Partner bei uns und hielt es mit uns aus. Auch als wir krank waren, wütend, traurig oder verletzend. Auch als wir geschrieen haben und getobt.

Wenn wir wüssten, dass heute der letzte Tag mit unserem Partner wäre, würden wir unseren Partner bestimmt um Entschuldigung bitten und ebenso selbst alles vergeben, was jemals vorgefallen ist. In Angesicht des Todes gibt es kein Rechthaben mehr und keine Schuldfrage.

Die Buddhisten leben jeden Tag in dem Bewusstsein, dass es ihr letzter sein könnte. Wenn sie abends schlafen gehen, legen sie alle Habseligkeiten akkurat auf ihren Platz. Denn sollten sie am Morgen nicht mehr erwachen, hätten sie für die Hinterbliebenen alles ordentlich hinterlassen. Sie versuchen auch, abends mit jedem wieder in Frieden zu kommen, damit sie bei einem überraschenden Tod ohne Schulden das Leben verlassen können. Die Gewissheit, dass Sterben zum menschlichen Leben einfach dazugehört, hilft ihnen, so bewusst und klar wie nur irgend möglich zu leben.

Sollte Dein Leben gerade in Langeweile untergehen oder du der täglichen Routine der Partnerschaft müde geworden sein, verabschiede dich für eine gewisse Zeit von deinem Liebsten so, als wäre es nicht sicher, ob ihr euch jemals wieder sehen werdet. Gib Deinem Partner für eine Weile den Gutenachtkuss mit dem Bewusstsein, als sei es nicht gewiss, ob ihr am nächsten Morgen wieder gemeinsam nebeneinander erwachtet. Wenn Du eine gewisse Zeit mit diesem Bewusstsein lebst, wirst Du schnell erkennen können, was wirklich wichtig ist in Deinem Leben.

Pierre und ich gehen nie im Streit zu Bett, wie heftig der Tag auch gewesen sein mag. Es ergibt für uns einfach keinen Sinn, Streits bewusst hinauszuzögern. Vor allem, weil wir uns unserer Liebe stets bewusst sind. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass uns beiden nur eine gewisse Zeit des Zusammenlebens gegeben ist. Irgendwann wird einer von uns sterben. Irgendwann werden wir uns voneinander verabschieden müssen. Warum die Zeit bis dahin nicht so bewusst und liebevoll, wie es uns nur irgend möglich ist, verbringen?

 

In Anbetracht des Todes wird vieles unwichtig. Nur eines nicht. Die Liebe, die zwei Menschen miteinander verbindet.

 

Wenn dies Dein letzter Tag wäre, was würdest Du tun? Und was hindert Dich daran, es jetzt zu tun?




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